Der Kaltstart ist der schädlichste Moment im Leben eines Motors. Verschiedenen Schätzungen zufolge entfallen 60 bis 80 % des gesamten Motorverschleißes auf genau diese ersten Sekunden nach dem Start bei niedrigen Temperaturen. Die Wahl des Winteröls ist deshalb kein Marketing, sondern eine echte technische Aufgabe.
Die Kennzeichnung entschlüsselt
In der Ölbezeichnung, zum Beispiel 5W-30, steht die Zahl vor dem Buchstaben W für die Winter-Viskositätsklasse (W — winter). Je kleiner die Zahl, desto leichter arbeitet das Öl bei niedrigen Temperaturen.
Ungefährer Kaltstartbereich:
- 0W — bis −35°C
- 5W — bis −30°C
- 10W — bis −25°C
- 15W — bis −20°C
- 20W — bis −15°C
Die Zahl nach dem W (30, 40, 50) steht für die Viskosität bei der Betriebstemperatur von +100°C. Je höher sie ist, desto „dickflüssiger“ ist das Öl im heißen Zustand.
Welches Öl für welche Bedingungen
- Moskau, St. Petersburg, Usbekistan (Flachland): 5W-30 / 5W-40
- Nordrussland, Kasachstan, Sibirien: 0W-30 / 0W-40
- Warme Regionen (Süden, Kaukasus): 10W-40
- Ganzjährige Garagenunterbringung: 5W-X genügt
Worauf Sie außerdem achten sollten
- Freigabe des Fahrzeugherstellers (zum Beispiel MB 229.5, VW 504 00) — unbedingt mit der Betriebsanleitung abgleichen
- ACEA-Klasse (C3 für Dieselmotoren mit DPF, A5/B5 für Benzinmotoren)
- Ölart — Synthetiköl verträgt Frost grundsätzlich besser als Mineralöl
Praktische Tipps
- Belasten Sie einen kalten Motor nicht sofort — geben Sie dem Öl 30-60 Sekunden Zeit, alle Bauteile zu erreichen
- Wechseln Sie das Öl etwas häufiger, wenn Sie überwiegend Kurzstrecke fahren (das Öl erreicht seine Betriebstemperatur nicht und sammelt Feuchtigkeit)
- Sparen Sie im Winter nicht am Öl — ein kleiner Preisunterschied bedeutet einen großen Unterschied bei der Lebensdauer
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